Schrotflinte gegen Stenz
8. Juli 19:00
Die Fähre legt ab. Auf ein Neues,- eine neue Tour auf Tippelei. Unser Ziel: Einmal bis zum Nordkap und durch Finnland zurück.
Die Fähre fährt die Nacht durch, morgens um 8:00 erreichen wir Göteborg. Nettes Städtchen, wir beschließen trotzdem, gleich am ersten Tag möglichst viele Kilometer zu machen.
Stockholm ruft!
Die ersten Trampversuche in Skandinavien gestalten sich schwierig. Die erste Raststätte, in der wir anlaufen, duldet keine Tramper. Wir müssen an die Auffahrt gehen. Es braucht eine Weile, bis wir der ersten Schwedin begegnen, die bereit ist, uns mitzunehmen. Trotz des schlechten Starts erreichen wir am Abend Mariastad am Vatterner See.
Erste Begegnungen mit Mücken. Wir drohen schon am ersten Tag in Schweden zu einem Streuselkuchen zu werden. Gott sei Dank haben wir ein Zelt dabei, welches sich als wirksamer Mückenschutz erweist. Das Trampen ist am zweiten Tag nicht besser geworden.
Wir werden uns wohl daran gewöhnen müssen, hier auch mal ein bisschen länger zu stehen. Irgendwann hält immer Einer an.
Wir steigen bei einem Amerikaner ins Auto. Zuerst geht’s in spezielle Außenviertel von Stockholm, bis wir im Stadtzentrum abgesetzt werden. Stockholm, - die schönste der Hauptstädte Skandinaviens. Viel Wasser und eine schöne Altstadt. Zwei Tage verbringen wir dort.
Schlafen bei schönem Wetter auf einer der kleinen Halbinseln mitten in Stockholm. Die Abreise gestaltet sich wieder etwas schwierig. Aber man kann ja nicht aus allen Großstädten rauskommen wie aus Hamburg.
Wir brauchen 3 Tage bis Oslo. Wir hatten Oslo noch nicht erreicht, schon war Arbeit sicher. Eine Woche lang bauten wir für Jemanden privat das Wohnzimmer aus. Dies half im so teuren Norwegen die Reisekasse gehörig aufzubessern. So konnten wir uns auch das ein oder andere Bier für Umgerechnet ca. 5 € leisten. Unser Weg sollte von nun an immer Nordwärts führen. Am letzten Tag in Oslo trafen wir eine Backpackerin, die uns eine Woche lang begleitete.
Wir legten noch einen kurzen Stopp in Ryfoss ein und besuchten den Einheimischen Freiheitsbruder Andy Krug. Nach einer kurzen Tippelei über ein paar Berge ging’s auf dem schnellsten Weg nach Trondheim.
Auch eine sehr schöne Stadt. Dabei war Floh gleich platt: Margen-Darm-Grippe. Daraufhin waren wir erst einmal 2 Tage in Trondheim und funktionierten den Kirchenpark zum Krankenbett um. Gott sei Dank hielt der Zustand nicht lange vor und wir konnten Weiter.
Das Nordkap ruft!
Und endlich klappt es mit dem Trampen. Mit einem Lift über 1000km. Wir sind innerhalb von 2 Tagen hoch bis Tromsö. Es geht gleich weiter, wir wollen ans Nordkap. Noch einen Tag trampen und wir stehen am Nordkap. Mitternachtssonne gibt’s nicht, - es ist bewölkt. Wir stehen am Kap und schauen Richtung Norden.
War das alles? Nein! Dort im Norden gibt es auf jeden Fall noch was:
Spitzbergen Ruft!
Zieländerung: Wir wollen noch weiter in den Norden.
Aber zuerst zurück nach Tromsö auf ein Festival. Wie es der Zufall will treffen wir dort auf zwei andere Fremde.
Die Party steigt.
Drei Tage Festival - und danach total verkatert Richtung Flughafen Tromsö. Der nächste Flug nach Spitzbergen geht erst in drei Tagen. Zeit, um sich an den Fjord zu legen, auszuspannen und zu angeln. Wir ernähren uns von Dorsch. Der Flug hatte Verspätung, - Normal! Nachts um 3 Uhr Ankunft Longyarbyne, und es ist hell. Wir kommen am Campingplatz unter. Abgefahrener Ort Spitzbergen. Die Stadt darf nicht ohne Gewehr verlassen werden. Wir schauen uns nach Arbeit um, sind aber in der falschen Zeit gekommen, außer dem Isolieren einer Leitung am Campingplatz ist nichts Großes zu machen.
Mal ein Ausflug aus der Stadt raus, natürlich mit Gewehrbegleitung. Nach einer Woche geht’s wieder zurück. Weiter nach Finnland. Nun sind wir wirklich im Königreich der Mücken angekommen. Die Mücken toppen alles, was bis dahin war. Wir können alle Sagen von: „Finnland, das Land der Mücken“ bestätigen. Auch auf Leute, die typisch dem Finnischen Ruf entsprechen, stark Alkohol zu Konsumieren sind wir getroffen. Und das, während des Autofahrens und ohne dabei die Flasche Schnaps aus der Hand zu legen.
Stuntreif dabei war auch, bei der geradlinigen Straßenführung so viele Kurven wie möglich einzubauen. Nichtsdestotrotz haben wir Helsinki mehr oder weniger sicher erreicht. Somit haben wir auch den menschenarmen Norden Lapplands trampend durchquert. Von Helsinki aus führte der Weg uns weiter nach Tallin. Eine wunderschöne Stadt, nur leider ein bisschen von Touristen überlaufen. Wir kamen in einem alternativen Haus unter. Dafür erledigten wir ein paar Reparaturen am Dach.
Riga lernten wir auch als sehr schöne Stadt kennen. Glanz und Glamour im Baltikum. Dort trafen wir auf eine Diplomatin der Deutschen Botschaft, welche uns Unterkunft bot. Auch hatte ihr Mann, welcher Zimmermann ist, Arbeit für uns, und somit blieben wir 1 Woche in Riga und bauten eine Treppe aus Stahlbeton. Von Riga aus reisten wir dann weiter nach Litauen bis Kleipeda. Von da aus führte uns die Fähre wieder Richtung Kiel. Alles im Allen eine gelungenen Tour durch den Norden Europas.
Bericht vom Fremden Freiheitsbruder Florian Kunter.
